Unterwegs auf dem Camino Frances

Für die meisten Menschen, die den Jakobsweg laufen, markiert er einen bedeutenden Wendepunkt im Leben – so auch in meinem. Es war eine einzigartige Erfahrung, die ich heute nicht mehr missen möchte. Zum ersten Mal im Leben verzichtete ich auf die klassische Urlaubsreise samt Übergepäck – und entschied mich bewusst für diese Wanderung, um mich von altem, emotionalem Ballast zu befreien. Mein damals 9 kg schwerer bzw. leichter Rucksack stand sinnbildlich für eben diese Absicht.

800 km – von St. Jean-Pied-de Port in den französischen Pyrenäen bis nach Santiago de Compostella in Spanien – waren es, die ich in 36 Tagen zu Fuß zurückgelegte. Der Weg war nicht immer einfach, aber er hat mich gelehrt, mir selbst auf eine völlig neue Weise zu begegnen und darauf zu vertrauen, dass – sobald wir uns selbst bewegen – auch unser Leben wieder in Bewegung kommt.

Pilgern heißt „sich verwandeln lassen“

Ein Fluss wollte durch die Wüste zum Meer. Aber als er den unermesslichen Sand sah, wurde ihm Angst und er klagte: „Die Wüste wird mich austrocknen und der heiße Atem der Sonne wird mich vernichten oder ich werde zum stinkenden Sumpf.“ Da hörte er eine Stimme, die sagte: „Vertraue dich der Wüste an.“ Aber der Fluss befürchtete: „Bin ich dann noch ich selber? Verliere ich nicht meine Identität?“ Die Stimme aber antwortete: „Auf keinen Fall kannst du bleiben, was du bist.“

So vertraute sich der Fluss der Wüste an. Wolken sogen ihn auf und trugen ihn über die heißen Sandflächen. Als Regen wurde er am anderen Ende der Wüste wieder abgesetzt. Aus dem Regen entstand zuerst ein Bach, dann ein Fluss, schöner und frischer als zuvor. Und voller Freude rief der Fluss: „Jetzt bin ich wirklich ich.“ (Peter Müller)

Bei Interesse findest du hier einige Bildimpressionen vom Jakobsweg.